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Träume helfen bei der Lösung emotionaler Probleme

Wissenschaftler sind sich allgemein einig, dass ein Zusammenhang zwischen unsern Träumen und den emotionalen Stressfaktoren und Ärgernissen des täglichen Lebens besteht, wobei sich unsere Träume Forschungsergebnissen zufolge oft mit aktuellen Belangen und Sorgen beschäftigen, besonders mit denen, über die wir vor dem Einschlafen grübeln.

Emotionale Probleme

Allgemeine Stressniveaus im Wachzustand stehen im Zusammenhang mit einer Zunahme an negativen Traumgefühlen. (Koulack, 1993; Stewart & Koulack, 1993). Jenseits dieser korrelativen Beziehung haben jedoch mehrere Autoren den Vorschlag geäußert, dass Träume tatsächlich eine funktionale Rolle spielen, indem sie eine aktive Konfrontation mit emotionalen Problemen erlauben und kreative Lösungen anbieten — und all das, während wir schlafen.

REM-Schlaf ist ein einzigartiger, hyper-assoziativer Zustand, in dem das Gehirn Zugang zu einem breiten Spektrum von Erinnerungen, Gedanken und kreativer Problemlösungskompetenz hat, die innerhalb der Grenzen der Gedankenstrukturen im Wachzustand nicht so leicht erschließbar sind. Auf diese Weise könnten Träume zu neuartigen Lösungen in aktuellen emotionalen Problemen führen und so dabei helfen, das Stressniveau beim Aufwachen zu senken. Eine Reihe von Experimenten hat versucht, diese theoretische Funktion des REM-Schlafes zu bestätigen, obwohl die Ergebnisse anfangs noch ziemlich kontrovers waren. Zum Beispiel fanden einige Autoren, dass Trauminhalte, die sich auf Stressfaktoren bezogen, mit einer Verminderung der schlechten Laune über Nacht zusammenhingen, oder einer Verbesserung der guten Laune (M Kramer, Moshiri, & Scharf, 1982; Schredl, 2010; Milton Kramer, 1993). Andererseits gab es Hinweise auf das Gegenteil, nämlich dass Träume von einem Stressfaktor einen negativen Einfluss auf die Stimmung am nächsten Tag ausübten.

Die Frage, ob der Traum von einem Konflikt zu besserer oder schlechterer Gemütsverfassung führt, hängt wohl im Wesentlichen davon ab, ob im Traum mögliche Lösungen geliefert werden oder nicht. (Koulack, 1993). Diesem Gedankengang folgend untersuchte eine Studie einen Fall, bei dem sowohl vor dem Einschlafen als auch im Trauminhalt selbst ein Problem negativer Art vorhanden war, nachdem bestätigt worden war, dass Probleme vor dem Einschlafen oft in Träume einbezogen wurden. (Greenberg, Katz, Schwartz, and Pearlman, 1992). Anschließend analysierten die Autoren, ob sich die Versuchspersonen, die von dem Problem träumten, nach dem Aufwachen besser oder schlechter fühlten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Versuchspersonen nach dem Aufwachen erleichtert und besserer Stimmung waren, wenn der Traum mögliche Lösungen des Problems anbot. Wenn das nicht der Fall war, hielt die negative Gemütsverfassung nach dem Aufwachen an. Diese sich ergänzenden Erkenntnisse unterstützen die Hypothese, dass in Träumen gelieferte Problemlösungen der Schlüssel zu nächtlicher Stressbewältigung ist.

Obwohl Problembewältigung in einer einzelnen Traumerfahrung stattfinden kann, ist es wahrscheinlich, dass Trauminhalte eher stufenweise über eine Zeitspanne und aufeinander folgende REM-Schlafphasen hinweg Einfluss auf emotionale Erinnerungsbewältigung nehmen. Dies trifft vor allem dann zu, wenn der Stressfaktor mit einer einschneidenden Veränderung einhergeht, e.g. einer Scheidung, und damit eine maßgebliche Umstellung des emotionalen Gedächtnisses notwendig macht. Eine Studie von Cartwright (1996) zeigt, dass besonders frischgeschiedene Frauen, die anfangs häufiger negative Träume bezüglich ihrer Exmänner hatten, nach einem Jahr weniger deprimiert waren als Frauen, die solche Träume nicht hatten. Die Eingliederung dieses Stressfaktors könnte also im Laufe der Zeit zu einem allmählichen emotionalen Regulierungsprozess geführt haben.

In welchem Maße spielen Alpträume eine Rolle bei der Emotionsregulation?

Während Wissenschaftler allgemein übereinstimmen, dass emotionale und sogar negative Träume bei der Bewältigung von Stress helfen können, gibt es Meinungsverschiedenheiten darüber, ob intensive Alpträume bei diesem Prozess eine Rolle spielen. Manche Theorien schreiben Alpträumen eine regulierende Wirkung zu. Beispielsweise sind Alpträume in dem Sinne mit einer Art von Überflutungs– oder Expositionstherapie verglichen worden, dass sie den Träumenden dazu zwingen, schmerzliche oder traumatische Erinnerungen zu konfrontieren, die sonst verdrängt werden könnten (Rothbaum & Mellman, 2001).

Tatsächlich kann das plötzliche Erwachen von einem Alptraum das emotionale Problem an die Oberfläche in den Wachzustand zwingen. Anschließend könnte eine Reflektion des Alptraumes einschließlich der dadurch bewusstgemachten Gefühle und Erinnerungen zur Findung einer neuen Lösung und dem Verständnis des unterschwelligen emotionalen Problems führen. Und obwohl der Alptraum selbst vielleicht keine Lösung bietet, kann das Erwachen aus dem Alptraum sehr wohl dabei eine Rolle spielen, indem es dem Bewusstsein signalisiert, dass es sich mit der Lösung eines emotionalen Konfliktes beschäftigen muss, an dem der Traum gescheitert ist.

Trotz dieses potenziellen Vorteils gelegentlicher Alpträume sind häufigere oder sich wiederholende Alpträume wahrscheinlich leider ein Zeichen von Psychopathologie und emotionaler Fehlregulation. Dies betrifft die Mehrheit von Individuen, die unter häufigen Alpträumen leiden (mehr als zweimal in der Woche), mit sich wiederholenden und periodisch wiederkehrenden Themen, verbunden mit höherem Leidensdruck, geringerem psychologischen Wohlbefinden, mit Träumen, die sogar noch negativer geladen sind als nicht wiederkehrende Träume. (Zadra, O’Brien, & Donderi, 1997). Außerdem scheinen häufige und sich wiederholende Alpträume im Vergleich zu der fortschreitenden Konfliktlösung in Träumen, die zur Gefühlsbewältigung beitragen, wiederholt auf einen emotionalen Konflikt ohne jedes Anzeichen einer Besserung oder Lösung hinzuweisen.

Zusammenfassung:

1. Träume können kreative Lösungen zu aktuellen emotionalen Problemen bieten.

2. Innerhalb eines Zeitraumes helfen Träume bei der Anpassung an einschneidende Änderungen im Leben, wie zum Beispiel bei einer Scheidung.

3. Alpträume können eine relevante Rolle spielen, indem sie das Bewusstsein im Wachzustand dazu zwingen, emotionale Konflikte zu konfrontieren.

4. Wiederkehrende Alpträume zeigen die Unfähigkeit an, ein laufendes emotionales Problem zu lösen.

Bild: fotolia.com © okalinichenko

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